Frauen in Führung: Wie mentale Barrieren Karrieren ausbremsen

Warum Menschen nur allzu oft das Gegenteil tun, und was Führungskräfte in Unternehmen gegen dieses ständige Konfliktthema tun können, ist eine immer wiederkehrende Frage. Dass Menschen lieber übereinander statt miteinander reden, ist oft der stille Saboteur für Vertrauen, für den Verlust an Teamgeist und den Niedergang einer gesunden Unternehmenskultur.

 

Oft scheuen Menschen die Konfrontation und den direkten Austausch mit anderen, wenn Probleme auftauchen, die man nicht mit den Betroffenen selbst ansprechen möchte. Aus Unsicherheit, weil man nicht weiß, wie die andere Person reagiert, wählt man lieber den Umweg über Dritte. Die Folgen sind häufig Missverständnisse, weil Sachverhalte unvollständig oder verfälscht wiedergegeben werden – und zwangsläufig eine schlechte Atmosphäre im Team und Produktivitätsverluste.

 

Offene Feedback-Kultur aktiv vorleben.

Strukturen helfen, Probleme früh zu klären. Zuerst sind klare Kommunikationsregeln  zu etablieren, was in erster Linie bedeutet, Kritik immer sachlich und respektvoll zu äußern. Kein Tuscheln oder Lästern über Dritte, sondern Probleme zuerst direkt mit der betroffenen Person klären – im Zweifel immer mit dem Einbezug einer Führungskraft. Viele Mitarbeitende vermeiden direkte Gespräche, weil sie Konflikte unangenehm finden, weil sie nicht wissen, wie sie Kritik formulieren sollen und Angst vor Eskalation haben. Doch diese stellt sich dann oft nur zeitverzögert ein – und nicht selten auch heftiger.

 

Ein Beispiel aus der Praxis, wie es immer wieder vorkommt: In einem Projektteam beklagt sich ein Mitarbeiter bei mehreren Kollegen darüber, dass der Projektleiter Aufgaben „immer so kurzfristig“ verteilt. Statt direkt mit ihm zu sprechen, wächst die Unzufriedenheit im Team. Der Leiter bemerkt nur die schlechte Stimmung, ohne zu wissen, warum. Als das Thema endlich offen angesprochen wird, stellt sich heraus: Ihm war nicht klar, dass sein Vorgehen unnötigen Stress verursacht. Eine kleine Anpassung im Abstimmungsprozess hätte das Problem frühzeitig gelöst.

 

Wie Führungskräfte das Miteinander-Reden fördern

Führungskräfte prägen die Kultur, wenn sie den offenen Dialog vorleben, folgen andere. Sie können entscheidend dazu beitragen, diese destruktive Dynamik des „Flurfunks“ zu verändern: durch Vorbild, klare Regeln und Räume, in denen das Miteinander gefördert wird. Der Mut zur konstruktiven Konfliktfähigkeit ist zu belohnen und kann in Workshops trainiert werden. Wer die Werkzeuge kennt, meidet den Umweg über Dritte. Übereinander zu reden ist oft einfacher – miteinander zu reden ist nachhaltiger. Wer als Führungskraft konsequent den direkten, respektvollen Dialog fördert, stärkt Vertrauen, Zusammenarbeit und letztlich auch die Performance.

 

Reibungen entstehen in Teams immer wieder, sie sind natürlicher Bestandteil von Arbeitsprozessen. Hilfreich ist es deshalb, regelmäßige Austauschformate einzuführen. Bei denen Probleme nicht als etwas Besonderes angesehen werden, sondern als selbstverständlich zu bewältigende Aufgaben. Sachthemen sollten dabei im Vordergrund stehen, statt persönliche Vorwürfe. Das Ziel muss sein, Lösungen zu finden, statt Schuldige.

 

Einen wichtigen Rat dazu gab auch gerade der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun in einem aktuellen Spiegel-Interview: „Als Führungskraft können Sie schon dem Wunsch nach Homeoffice entgegenkommen. Aber passt bloß auf, dass ihr noch hin und wieder zusammen seid, mit Leib und Seele. Es braucht eine gemeinsame Präsenz, einen Ort der direkten Begegnung mit Anwesenheitspflicht, damit menschliche Resonanz entsteht und das Team sich entwickeln kann.“ Das entspricht auch unserer Denkweise, denn wirkliches Miteinander entsteht unter Menschen, nicht per Datenkabel.