Hilfe beim „Monkey Mind“

Ein Begriff aus der buddhistischen Lehre für den ruhelosen, zerstreuten und unkontrollierbaren Zustand des Geistes, der wie ein Affe von Ast zu Ast springt, von einem Gedanken zum nächsten, und dadurch Ablenkung, Konzentrationsmangel und sogar Angst verursacht. Wir werden ständig dazu angehalten, unsere Zeit optimal zu nutzen, jede kostbare Stunde zu optimieren, effizient zu sein und ja nichts aufzuschieben. Doch der darauf zwangsläufig entstehende Effekt des „Monkey Minds“ muss nicht sein, wie der SZ-Kolumnist Axel Hacke vor einigen Monaten anlässlich einer gesundheitsbedingten Zwangspause seiner Tätigkeit entdeckte.

 

Er beschäftigte sich mit dem Thema Nichtstun und mit dem aktuellen Buch des Neurowissenschaftlers Dr. Jospeh Jebelli „the brain at rest“, in dem er auf eine ihn anscheinend überraschende Erkenntnis stieß. Dass nämlich Stille und ein gelegentliches Nicht-Denken das Wachstum neuer Gehirnzellen anregt – oder wie es Axel Hacke in seiner Kolumnenüberschrift etwas großzügig interpretierte: „Was man früher verheimlichte, wird nun von der Wissenschaft mit Nachdruck empfohlen: Es gibt für Hirn und Kreativität nichts Besseres, als regelmäßig einzunicken, wegzudriften und abzuschweifen.“

 

Lob des Nichtstuns

Oder besser gesagt, des temporären Nichtstuns. In der Werbung zum Buch Dr. Jebellis heißt es denn auch vielversprechend: „Möchten Sie Ihre Produktivität steigern, kreativer sein und Ihre Gesundheit schützen – und das ganz mühelos? Entdecken Sie die überraschende Wissenschaft des Gehirns im Ruhezustand in dem inspirierenden neuen Buch des gefeierten Neurowissenschaftlers.“ Denn Erholung, so Dr. Jebelli, sei damit ein integraler Bestandteil von Arbeit, nicht das Gegenteil. Und Bestsellerautor Chris Bailey von „The Productivity Project“ assistiert ihm dabei: „Wenn Sie mehr erreichen wollen, ohne sich beim Entspannen schuldig zu fühlen, ist dieses Buch genau das Richtige für Sie.“

 

Der Piper-Verlag resümiert den Kern der Buchaussage wie folgt: „Denken wir – nichts! Und verändern so unser Leben. Denn erst wenn unser Gehirn sich nicht mehr konzentrieren muss, entfaltet es sein volles Potenzial. So paradox es klingt: Wir denken am besten, wenn wir aufhören, aktiv nachzudenken.“ Klingt wirklich etwas sehr euphemistisch. Dass dann nach dem Nichtdenken trotzdem etwas Brauchbares herauskommen kann, erklärt der Neurowissenschaftler kurz zusammengefasst so.

 

Abschalten ist nicht Passives

„Ein weit verbreitetes Missverständnis über Ruhe ist die Annahme, sie sei passiv.“ Etwas, das wir tun, wenn wir gerade nichts anderes tun, also etwas, das im Gegensatz zur Arbeit steht. Woraus man schließen könnte, dass unser Gehirn in Ruhephasen weniger beschäftigt, weniger aktiv ist. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall, denn unser Gehirn ist in Ruhephasen sogar aktiver als bei konzentrierter Arbeit. Ruhe aktiviert laut Dr. Jebelli das Ruhezustands-Netzwerk, ein neuronales Netzwerk, das uns ermöglicht, zu träumen, reflektiert zu denken und uns die Zukunft vorzustellen. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass dessen Aktivierung durch Ruhe ein grundlegender Bestandteil unseres Denkens, Lernens und kreativen Schaffens ist.

„Das Gehirn bleibt aktiv, auch wenn wir scheinbar nichts tun und fördert dank mentaler Auszeit Intelligenz, Kreativität, Gedächtniskonsolidierung und Problemlösung.“ Also genau das, was wir üblicherweise mit konzentriertem, anstrengendem Denken verbinden. Dr. Jebelli stellt zudem klar: „Psychologen wissen schon lange um den Wert von Dingen wie Inkubation für Kreativität oder die Rolle des Schlafs für das Gedächtnis. Aber wir beginnen erst jetzt zu verstehen, wie wichtig dieses Ruhezustands-Netzwerk in so vielen Bereichen ist: Lernen, Selbstwahrnehmung, emotionale Verarbeitung, Zukunftsplanung.“

 

Die nicht ganz so wissenschaftliche Interpretation des Kolumnisten Axel Hacke dazu: „Das Gehirn wirkt erholt, es ist bereit zu neuen Leistungen, möchte sich aufschwingen, will produzieren. Ganglien schnurren, Neuronen pfeifen, Synapsen klackern, da ist ein schöner Gedanke, hier eine blinkende Idee, dort ein funkelnder Einfall. Ist es nicht großartig, wie alles ineinandergreift, wie es nach zehn Minuten Siesta wieder herrlich funktioniert?“ Na ja, vielleicht etwas euphorisch formuliert und mit Hacke-typischer Ironie. Aber er hat sich nach seinem Pausemachen (und dem Lesen des Buches „the brain at rest“) wohl derart beflügelt gefühlt, dass er gleich danach eine weitere seiner durchwegs brillanten Kolumnen verfassen konnte.

Blogbeitrag Monkey Mind