KI entscheidet nicht über Zukunftsfähigkeit, Haltung und Leadership schon

Glo­ba­le Un­si­cher­heit, wirt­schaft­li­cher Druck und tief­grei­fen­der tech­no­lo­gi­scher Wan­del prä­gen un­se­re Zeit. Un­ter­neh­men ste­hen unter enor­mem Er­war­tungs- und Kos­ten­druck. Ef­fi­zi­enz, Ge­schwin­dig­keit und Wett­be­werbs­fä­hig­keit sind ent­schei­dend, doch dies reicht al­lein nicht mehr aus. Wer Re­si­li­enz be­wah­ren und In­no­va­ti­ons­kraft nach­hal­tig stär­ken will, muss tie­fer an­set­zen: beim Men­schen und bei den zu­grun­de lie­gen­den Wer­ten der Un­ter­neh­mens­kul­tur.

Ge­ra­de im Zeit­al­ter von Künst­li­cher In­tel­li­genz wird eine hu­ma­nis­ti­sche Hal­tung zur stra­te­gi­schen Grund­la­ge mo­der­ner Füh­rung. Nicht als Ge­gen­ent­wurf zur Tech­no­lo­gie, son­dern als Ori­en­tie­rung im Um­gang mit ihr. KI kann Pro­zes­se be­schleu­ni­gen, Ana­ly­sen ver­bes­sern und Pro­duk­ti­vi­tät stei­gern. Doch ob sie ihr Po­ten­zi­al ent­fal­tet, ent­schei­det sich nicht an Al­go­rith­men oder Tools, son­dern an Hal­tung, Füh­rung und Kul­tur.

 

Hu­ma­nis­mus als Wer­te­ba­sis

Viel­leicht ruft der Be­griff Hu­ma­nis­mus bei dem ein oder an­de­ren ge­ra­de an­ge­neh­me oder we­ni­ger an­ge­neh­me Er­in­ne­run­gen an die Schul­zeit wach. Denn zeit­ge­nös­si­scher Hu­ma­nis­mus ist keine un­nö­ti­ge geis­ti­ge Stra­pa­ze, son­dern eine hoch­ak­tu­el­le Wer­te­ba­sis für un­ter­neh­me­ri­sches Han­deln. Er ver­bin­det in­di­vi­du­el­le Selbst­be­stim­mung mit Ver­ant­wor­tung für Or­ga­ni­sa­ti­on, Ge­sell­schaft und Zu­kunft. Der Mensch ist nicht nur An­wen­der von Tech­no­lo­gie, son­dern Teil eines kom­ple­xen so­zia­len, öko­lo­gi­schen und di­gi­ta­len Sys­tems.

Dar­aus er­wächst Füh­rungs­ver­ant­wor­tung: Mit­ar­bei­ten­de zu be­fä­hi­gen, mit­zu­neh­men und zu er­mu­ti­gen, neue Tech­no­lo­gi­en sinn­voll, re­flek­tiert und ver­ant­wor­tungs­voll zu nut­zen. Genau hier ent­schei­det sich, ob In­no­va­ti­on in Un­ter­neh­men blo­ckiert wird oder ob sie ent­ste­hen kann.
Für Lea­der­ship be­deu­tet das eine klare Ver­schie­bung des Fokus. Leis­tung bleibt zen­tral. Sie ent­steht je­doch nicht durch Druck oder gar von al­lein, son­dern aus Sinn, Wert­schät­zung und Ori­en­tie­rung. Eine zu­kunfts­fä­hi­ge Un­ter­neh­mens­kul­tur schafft be­wusst Zeit und Raum für Aus­tausch, Ler­nen und Wei­ter­ent­wick­lung. Sie baut Hemm­nis­se ab, ent­wi­ckelt neue Struk­tu­ren und nimmt alle im Un­ter­neh­men mit, ge­ra­de in Pha­sen tief­grei­fen­den Wan­dels.

 

Vor­bild­funk­ti­on als Füh­rungs­kraft

Diese Kul­tur ent­steht nicht durch Leit­bil­der auf Pa­pier, son­dern durch ge­leb­tes Vor­bild von oben. Füh­rungs­kräf­te müs­sen den Um­gang mit KI vor­le­ben. Sie neh­men sich Zeit, ei­ge­ne Er­fah­run­gen zu sam­meln, Best Prac­ti­ces zu tei­len, die Per­spek­ti­ven von Mit­ar­bei­ten­den und Ex­pert:innen zu ver­ste­hen und die Eta­blie­rung neuer Ar­beits­wei­sen aktiv vor­an­zu­trei­ben. Sie geben Rich­tung, set­zen klare Ziele und er­war­ten Leis­tung. Und schaf­fen gleich­zei­tig psy­cho­lo­gi­sche Si­cher­heit, Ver­trau­en und Sinn. Oft ar­bei­ten min­des­tens drei Ge­ne­ra­tio­nen in einem Un­ter­neh­men. Was für eine Chan­ce also, aus un­ter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven Wis­sen zu bün­deln und In­no­va­ti­on vor­an­zu­trei­ben!

Statt Be­dro­hung kann KI als Werk­zeug zur Ent­las­tung, zur bes­se­ren Ent­schei­dungs­fin­dung und zur ge­mein­sa­men Wei­ter­ent­wick­lung wer­den. Ver­bin­dend und ver­bind­lich.
Ein hu­ma­nis­ti­scher Ori­en­tie­rungs­rah­men für Füh­rung im KI-Zeit­al­ter um­fasst:

  • Vor­bild und Hal­tung: Den ver­ant­wor­tungs­vol­len Um­gang mit KI selbst vor­le­ben und aktiv ge­stal­ten.
  • Selbst­be­stim­mung und Em­power­ment: Men­schen be­fä­hi­gen, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und KI sou­ve­rän zu nut­zen.
  • Ethik und Ver­nunft: KI trans­pa­rent, fair und re­flek­tiert ein­set­zen.
  • Wert­schät­zung und So­li­da­ri­tät: Leis­tung an­er­ken­nen und Zu­sam­men­ar­beit stär­ken.
  • Nach­hal­tig­keit und Zu­kunfts­fä­hig­keit: Heute so ent­schei­den, dass mor­gen Ge­stal­tung mög­lich bleibt.

Als Au­to­rin die­ses Bei­trags schöp­fe ich selbst Kraft aus dem hu­ma­nis­ti­schen An­satz. Ge­ra­de in Zei­ten wie die­sen. Ich sehe in ihm eine hohe Ak­tua­li­tät und ich sehe ihn den­noch tief ver­an­kert in un­se­rer kul­tu­rel­len DNA. Ge­ra­de des­halb muss Hu­ma­nis­mus heute pra­xis­nah sein, an­schluss­fä­hig an un­ter­neh­me­ri­sche Rea­li­tät und wirk­sam im All­tag. Nicht als abs­trak­tes Ideal, son­dern als ge­leb­te Hal­tung, die Men­schen mit­nimmt, Ori­en­tie­rung gibt und Un­ter­neh­men im Zeit­al­ter von KI und all den damit ver­bun­de­nen Her­aus­for­de­run­gen re­si­li­ent, in­no­va­tiv und mensch­lich hält.


Au­to­rin: Alex­an­dra Leib­fried