Miteinander, statt übereinander reden

Die „gläserne Decke“, die gefürchtete Karrierehürde, über die viele meinen nicht hinwegzukommen. Dabei denken viele an strukturelle Barrieren: fehlende Vorbilder, unbewusste Vorurteile oder mangelnde Vereinbarkeit. Diese Faktoren sind real. Doch in unserer Arbeit mit weiblichen Führungskräften zeigt sich immer wieder eine weitere, oft übersehene Ebene: die gläserne Decke im eigenen Kopf.

 

Es geht vielen Frauen so, die hervorragend qualifiziert, leistungsbereit und engagiert sind – und sich dennoch selbst bremsen. Nicht aus mangelndem Ehrgeiz, sondern aufgrund tief verankerter Denk- und Verhaltensmuster, die häufig früh geprägt wurden und im Berufsleben unbewusst weiterwirken. Dabei spielt ein typisches Muster die Hauptrolle: Perfektionismus. Frauen warten oft, bis sie sich zu 120 Prozent sicher fühlen, bevor sie den nächsten Karriereschritt gehen. Männer hingegen bewerben sich schon häufig, wenn sie auch nur einen Teil der Anforderungen erfüllen. Warum auch nicht, wenn man der Überzeugung ist, „Luft nach oben“ zu haben? Doch das Gefühl, den Anforderungen nicht vollends zu genügen, ist eher ein weibliches.

 

Perfektionismus als Karrierebremse?

Perfektionismus wird häufig gesellschaftlich positiv bewertet, kann aber leicht zur unüberwindbaren Hürde werden, wenn Chancen nicht genutzt werden. Ein weiteres Muster ist Zurückhaltung in der Sichtbarkeit. Viele weibliche Führungskräfte leisten Großartiges, sprechen aber zu wenig oder gar nicht darüber. Eigenes Können wird relativiert, Erfolge dem Team oder äußeren Umständen zugeschrieben. Wenn wir fragen, warum

 sie dies nicht tun, kommen häufig diese Antworten: „Das muss doch gesehen werden“ oder „Ich muss doch nicht angeben mit meiner Leistung, ist doch selbstverständlich“. Gleichzeitig wird Machtstreben häufig negativ konnotiert – insbesondere bei Frauen. Die Folge: Kompetenz ist vorhanden, wird aber zu wenig wahrgenommen.

 

Hinzu kommt bei Frauen oft ein stark ausgeprägte Harmoniebedürfnis. Konflikte zu vermeiden, niemanden zu enttäuschen, es allen recht zu machen. Die Balance zwischen einem femininen Rollenbild und maskulinem Durchsetzungsvermögen ist nicht leicht zu halten. All das kostet Energie, Kraft und kann dazu führen, dass klare Positionen nicht bezogen oder Grenzen nicht gesetzt werden. Führung jedoch erfordert Klarheit, Entscheidungsstärke und manchmal auch Reibung. Die gute Nachricht: Diese Muster sind erlernt – und damit veränderbar.

 

Muster erkennen, Blockaden auflösen

Der erste Schritt ist eine Bewusstseinsveränderung. Wer eigene Denkweisen erkennt, kann sie hinterfragen: Muss ich wirklich perfekt sein? Darf ich meine Leistung sichtbar machen? Welche Überzeugungen dienen mir – und welche nicht mehr? Hier sind auch die Entscheider gefragt. Wer Frauen gezielt fördern will, sollte nicht nur Strukturen anpassen, sondern auch Räume für Reflexion, Feedback und Entwicklung schaffen.

 

Mentoring, Coaching und gezielte Programme helfen, innere Barrieren abzubauen und Potenziale freizusetzen. Das Ergebnis wirkt sich positiv auf den Unternehmenserfolg aus. Denn längst ist bekannt, dass gemischte Führungsteams produktiver sind. Wir bieten praxisnahe Kurse speziell für weibliche Führungskräfte an. Ziel ist es, innere Blockaden zu lösen, Führungskompetenzen zu stärken und Frauen auf ihrem Weg in verantwortungsvolle Positionen nachhaltig zu unterstützen.