Empowerment = Verantwortung abgeben

Was der in­zwi­schen häu­fig in vie­len Bei­trä­gen zu Ma­nage­ment-The­men zi­tier­te Be­griff be­deu­tet, ist in Un­ter­neh­mens­füh­run­gen längst an­ge­kom­men. Der aus der Psy­cho­lo­gie stam­men­de Be­griff Em­power­ment lässt sich am bes­ten mit „Selbst­be­mäch­ti­gung“ oder „Selbst­kom­pe­tenz“ über­set­zen und zielt dar­auf ab, Men­schen oder Ge­mein­schaf­ten Hand­lungs­fä­hig­keit zu geben und ihnen zu er­mög­li­chen, vor­han­de­ne Fä­hig­kei­ten und Res­sour­cen bes­ser aus­zu­schöp­fen.

Doch ob­wohl auch die durch­weg po­si­ti­ven Aus­wir­kun­gen von Em­power­ment be­kannt sind, ist vie­len oft nicht klar, wie Em­power­ment im Ar­beits­um­feld als Me­tho­de wirk­sam um­zu­set­zen ist. In ers­ter Linie be­deu­tet es die För­de­rung von Ei­gen­in­itia­ti­ve und Kom­pe­tenz von Mit­ar­bei­ten­den. Sprich den Über­gang von tra­di­tio­nel­lem Be­fehls- und Kon­troll-Ver­hal­ten von Füh­rungs­kräf­ten hin zu einer un­ter­stüt­zen­den Füh­rungs­kul­tur, die Mit­ar­bei­ten­den mehr Au­to­no­mie und Ent­schei­dungs­be­fug­nis ver­leiht. Dabei ist die Ge­fahr von „Under-Ma­nage­ment“ nicht weit, mit der Folge, dass Mit­ar­bei­ten­de zur In­itia­ti­ve be­wegt wer­den, ohne ent­spre­chen­den Input oder Un­ter­stüt­zung zu er­hal­ten. Was im Um­kehr­schluss schnell die Moral, Leis­tung und Pro­duk­ti­vi­tät be­ein­träch­ti­gen kann.

 

Em­power­ment er­for­dert eine Un­ter­neh­mens­kul­tur mit fla­cher Hier­ar­chie

Es be­darf einer kul­tu­rel­len Ver­än­de­rung in der Füh­rung. Ma­na­ger sind dabei we­ni­ger Con­trol­ler als viel­mehr Coach, die eine Kul­tur des Ver­trau­ens und der ge­mein­sa­men Ver­ant­wor­tung för­dern. Ein trans­pa­ren­ter In­for­ma­ti­ons­aus­tausch und Zu­griff auf we­sent­li­che Be­triebs­in­for­ma­tio­nen ist Vor­aus­set­zung, um fun­dier­te Ent­schei­dun­gen zu tref­fen und Pro­ble­me selbst­stän­dig lösen zu kön­nen. Dazu müs­sen Res­sour­cen auf­ge­baut wer­den, denn Mit­ar­bei­ten­de müs­sen die Zeit und die not­wen­di­ge Schu­lung er­hal­ten, um sich für die an­ste­hen­de Auf­ga­be ge­rüs­tet zu füh­len.

 

Die Im­ple­men­tie­rung, ein kom­ple­xer Pro­zess

Die Ein­füh­rung von Em­power­ment be­deu­tet einen viel­schich­ti­gen Ver­än­de­rungs­pro­zess an­zu­sto­ßen, bei dem em­power­te Füh­rungs­kräf­te Altes los­las­sen und ihrem Team eine kraft­vol­le Vi­si­on auf­zei­gen kön­nen. Es müs­sen ge­mein­sam mit Mit­ar­bei­ten­den Ziele ver­ein­bart, ihre Rol­len de­fi­niert, sowie Maß­nah­men und Rah­men­be­din­gun­gen fest­ge­legt wer­den. Denn Sie wer­den die Ver­ant­wor­tung für deren Um­set­zung über­neh­men, was die lau­fen­de Kon­trol­le des Um­set­zungs­pro­zes­ses und die Er­geb­nis-Eva­lu­ie­rung ein­schlie­ßt.

Die Vor­tei­le einer er­folg­rei­chen Im­ple­men­tie­rung lie­gen auf der Hand. Eine er­mäch­tig­te Be­leg­schaft, weit­ge­hend selbst­ver­wal­te­te Teams, die ihre Ar­beits­pro­zes­se selbst or­ga­ni­sie­ren kön­nen, be­deu­ten nicht nur we­ni­ger Hier­ar­chie, son­dern auch eine er­höh­te Agi­li­tät, schnel­le­re Ent­schei­dungs­fin­dung und bes­se­re An­pas­sungs­fä­hig­keit an Ver­än­de­run­gen. Eben­so wie hö­he­res En­ga­ge­ment, Mo­ti­va­ti­on und Ar­beits­zu­frie­den­heit der Mit­ar­bei­ten­den – bis hin zu mehr In­no­va­ti­ons­kraft. „Em­power­te“ Mit­ar­bei­ten­de den­ken eher mit, sind krea­tiv und er­grei­fen häu­fi­ger die In­itia­ti­ve, an­statt nur auf Di­rek­ti­ven zu re­agie­ren.

 

Große Un­ter­neh­men als Vor­rei­ter

Net­flix, einer der Rie­sen der Un­ter­hal­tungs­in­dus­trie, führt sei­nen Er­folg unter an­de­rem auf zwei Säu­len der Un­ter­neh­mens­kul­tur zu­rück: „Frei­heit und Ver­ant­wor­tung“. Was be­deu­tet, dass es den Mit­ar­bei­ten­den dort frei­steht, Ent­schei­dun­gen mit „bes­tem Ur­teils­ver­mö­gen“ selbst zu tref­fen, vor­aus­ge­setzt, sie über­neh­men die Ver­ant­wor­tung für sie. Damit ist klar, dass diese Stär­kung der Rolle von Mit­ar­bei­ten­den nicht nur eine reine „Wohl­fühl­stra­te­gie“ dar­stellt, son­dern eine trans­for­ma­ti­ve, die gut or­ga­ni­siert wer­den muss.

Beim Em­power­ment geht es nicht al­lein darum, dass Mit­ar­bei­ten­de in ihren Jobs glück­lich sind, ob­wohl das na­tür­lich auch ein wich­ti­ger As­pekt ist. Es geht darum, dass sie sich dar­auf freu­en, in ihren Rol­len zu wach­sen, an einem Ar­beits­platz, an dem Men­schen sich wert­ge­schätzt füh­len und blei­ben wol­len. Und es un­ter­stützt Un­ter­neh­men gleich­zei­tig dabei Top-Ta­len­te an­zu­zie­hen, die auf mehr als nur den Ge­halts­scheck schau­en.