Pforzheim, 20. Mai 2026, Veröffentlichung in der Pforzheimer Zeitung

Pforzheimer Zeitung – Bericht zum WSP Personaldialog am 18.05.2926 im CongressCentrum Pforzheim – Karin Bacher sprach über die Kommunikation zum Thema Gehaltstransparenz

Mehr Klarheit bei Gehältern

Beim WSP-Personaldialog sprechen vier Experten über faire Vergütung, Transparenz und Gender-Pay-Gap – denn auf Betriebe kommt einiges zu.

CLAUDIA KELLER | PFORZHEIM

Beim WSP-Personaldialog hat die Umsetzung der EU-Vorgaben zur Entgelttransparenz im Mittelpunkt gestanden. Vier Referenten gaben bei der Veranstaltung „Zukunftsfähige Vergütungssysteme – Transparenz, Fairness, Struktur“ im CongressCentrum Pforzheim (CCP) Einblicke, was auf Betriebe zukommt und wie Vergütungssysteme fairer und nachvollziehbarer gestaltet werden können.

Der WSP-Personaldialog ist eine Veranstaltungsreihe des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP). Sie richtet sich vor allem an Personalverantwortliche aus Unternehmen der Region.

Markus Epple, WSP-Geschäftsbereichsleiter Wirtschaftsförderung, freute sich bei der Begrüßung über rund 80 Interessierte.

Zum Auftakt lenkte Johanna Jüngling, Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf Nordschwarzwald, den Blick auf den Gender-Pay-Gap – also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. „Ungleichbehandlungen sollte es in modernen Organisationen nicht geben und trotzdem sprechen wir seit Jahren über den Gender-Pay-Gap“, sagte sie.

Dieser entstehe nicht durch eine einzelne Entscheidung, sondern „über die Zeit anhand vieler kleiner Bewertungen und Weichenstellungen“. Moderne Ungleichheit geschehe heutzutage nicht mehr durch offene Benachteiligung, sondern innerhalb von Systemen, die sich selbst für objektiv halten. „Die Entscheidungspsychologie zeigt uns, Menschen urteilen nicht komplett neutral“, so Jüngling. „Wir arbeiten mit Erwartung, Erfahrung und mentalen Vereinfachungen.“

Das Entgelttransparenzgesetz schaffe nicht automatisch Gerechtigkeit, sondern vielmehr Sichtbarkeit, damit Unterschiede wahrgenommen und hinterfragt werden können.

Professor Carsten Weber von der Hochschule Pforzheim erklärte, dass die EU-Entgelttransparenz-Richtlinie eigentlich bis zum 7. Juni 2026 in deutsches Recht umgesetzt werden müsse. Allerdings gebe es noch keinen entsprechenden Referentenentwurf. Bei einer Klage müsste ein Gericht auf Basis der EU-Richtlinie entscheiden.

Auch wenn auf Unternehmen hohe Implementierungs- und Verwaltungskosten zukommen, sah Weber positive Wirkungen: „Wenn die Systeme fair gebaut sind, kann Transparenz zu höherer Motivation, Performance, Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität führen.“ Die Offenlegung eines niedrigen Gender-Pay-Gaps könne zudem Frauen zur Bewerbung motivieren.

„Es geht um die gerechte Bezahlung für gleichwertige Arbeit“, sagte Isabel Meister, Geschäftsführerin von Meister Digital GmbH. Sie legte den Zuhörern dar, wie Unternehmen die Vorgaben ganz praktisch umsetzen können. Dafür empfahl sie, eine Projektgruppe zu starten, um alle Funktionen in einem Unternehmen zu erfassen. Für jede Position werden dann Kompetenz, Verantwortung, Arbeitsbedingungen und Belastung in einem mehrstufigen System bewertet und entsprechende Gehaltsbänder festgelegt. Dadurch werde in vielen Unternehmen erstmals sichtbar, was vergleichbare Tätigkeiten sind.

Meister empfahl, von Anfang an den Betriebsrat mit einzubeziehen.

„Menschen vergleichen nicht Zahlen, sie vergleichen Gerechtigkeit“, sagte Karin Bacher, Geschäftsführerin von Karin Bacher Consultants & Coaching e.K. Sie hob hervor, dass ohne entsprechende Kommunikation Misstrauen entstehe. Typische Fehler in Unternehmen seien die zu späte Kommunikation, die Weitergabe von Fakten ohne Erklärung, mangelnde Vorbereitung der Führungskräfte und das Ignorieren von Emotionen. „Transparenz alleine reicht nicht“, so Bacher. „Es ist entscheidend, dass die Logik hinter den Gehältern transparent gemacht wird und Entwicklungsperspektiven aufgezeigt werden.“

Expertin Karin Bacher betont, wie wichtig die richtige Kommunikation bei der Einführung transparenter Gehaltsstrukturen ist. FOTO: FOTOSTUDIO KELLER

„Menschen vergleichen nicht Zahlen, sie vergleichen Gerechtigkeit.“ 
KARIN BACHER, Geschäftsführerin von Karin Bacher Consultants & Coaching e.K.

Quelle Text: Pforzheimer Zeitung | Cludia Keller